Natürlich könnte es sein, dass Thomas Tuchel eigentlich ein gestörter Typ oder zumindest Misanthrop ist. So wie es ein Großteil der BVB-Berichterstatter und Herr Watzke erzählen. Nun werden anonyme Stimmen aus dem so genannten Umfeld (oder teilweise sogar der Mannschaft) zitiert, die ganz plötzlich andeuten, der Trainer habe ja Defizite im Umgang mit Menschen und „beileibe nicht alle aus der Mannschaft folgen ihm“…. Aha, Trainer-Abgesangs-Rhetorik, Lesson 1.

Gerade nach dem Bombenanschlag auf die Mannschaft (nicht „den Mannschaftsbus“!), gewann man doch einen anderen Eindruck von Thomas Tuchel. Ganz im Gegensatz übrigens zu Herrn Watzke – dessen Äußerungen deutlich weniger menschlich und sensibel klangen, als die von Thomas Tuchel.

Aber nun gut. Vielleicht alles nur Show – so wie ein SZ-Reporter und einige andere nun berichten. Nebenbei bemerkt: Derselbe SZ-Reporter, der sich doch ziemlich sicher war, dass es „die BVB-Ultras“ waren – das mit dem Anschlag auf die Mannschaft. Aber fair enough: das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Er kann natürlich bei der einen Sache unrecht haben, bei der anderen trotzdem im Recht sein. Zumindest scheint er aber kein Problem mit der Verbreitung ungewöhnlicher Thesen zu haben, die andere diffamieren. Aber so lange es als Kommentar gekennzeichnet ist, ist das wohl seine Sache. (Und nur um das klarzustellen: den rechtsradikalen Teil der BVB-Ultras muss man natürlich bekämpfen – aber 1. ein Großteil der Ultras ist das nicht und 2. kann ich ihnen deshalb nicht einfach einen Mordanschlag auf die Mannschaft andichten)

Nehmen wir also an, Watzke versucht Tuchels Abschied vorzubereiten und bekommt dabei – ob gewollt oder ungewollt – Unterstützung durch die BVB-Presse, also jene Journalisten, die auch weiterhin beim BVB ein und ausgehen wollen.

Tuchel macht einen guten Job

Wie gesagt: kann sein, dass Tuchel ein „schwieriger Typ“ ist. Das Gerücht war vor Amtsantritt bekannt und er hat sich in seiner BVB-Zeit dahingehend unglaublich entwickelt (vgl. öffentliches Auftreten zu Mainzer Zeit). Von Watzke sagt man hingegen, dass er ein ziemlich asozialer Chef sein soll. So zumindest „anonyme Stimmen“ aus der BVB-Geschäftsstelle. Für mich steht fest, dass Thomas Tuchel (hingegen meiner persönlicher Erwartung) den BVB nach dem sportlich-schlimmen letzten Klopp-Jahr sehr positiv weiterentwickelt hat. Ich mochte weder die Aussortierung von Großkreutz, noch von Kuba. Aber das hatte – muss man ja leider eingestehen – sportlich nachvollziehbare Gründe (anders als die Verpflichtung von Schürrle und Götze….). Ich empfand es allerdings auch als wiederum menschlich in Ordnung, dass Tuchel Klartext spricht, wenn es um Hummels und Co. geht. Und damit meine ich gar nicht das Pokalfinale, sondern Tuchels Aussage, Hummels habe sich den Unmut der Fans nach seinem Bayern-Verrat selbst zuzuschreiben. Mag sein, dass da auch die persönliche Enttäuschung als Trainer aus ihm sprach – in jedem Fall war er der einzige, der den Fans aus der Seele sprach und nicht mit Verständnis-Rhetorik  a la „Aus familiären Gründen nachvollziehbar“ oder gar „will halt Titel gewinnen“ daher kam.

Das Grundproblem sind nicht die Reporter, sondern der Hausherr.

Aber ich will jetzt auch nicht in so eine eklige „Lügenpresse“- Rhetorik verfallen. Vermutlich bleibt den Reportern nichts anderes übrig. Entweder du willst beim BVB über den BVB schreiben, dann spielst du nach den Regeln des Hausherren. Oder du bleibst halt objektiv und kritisch, aber dann halt außen vor. Von der letzten Sorte gibts für meinen Geschmack zu wenige. Aber das Grundproblem sind definitiv nicht die Reporter, sondern der „Hausherr“. Watzke ist vom Schlag Rummenige (K.-H.). Und ja, mag sein, dass Watzke uns damals vor dem wirtschaftlichen Aus gerettet hat. Und ja, danach ist auch einiges gut gelaufen (nicht sofort…. vgl. Röber, Jürgen und Doll, Thomas). Aber will man denn deshalb den nächsten Feldherren nach Dr. Lügenbaum akzeptieren?

Ich weiß nicht, ob Thomas Tuchel ein feiner Kerl ist. Ich weiß nur eins: Watzke ist es nicht. 

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Unbestritten handelt es sich bei den Kollegen Mor und Dembele um zwei unfassbar gute Fußballer. Die haben jeweils so viel Talent wie der Rest der Truppe in Summe, möchte man sagen. Deshalb werden sie auch ungewöhnlich hart vom Gegner attackiert – wer lässt sich schon gern schwindelig spielen und vorführen?! Nun formiert sich aber in Dortmund trotzdem ein Trüppchen, um den beiden Supertalenten den Stempel „schwierig“ aufzudrücken. „Die haben sich nicht im Griff“, „die müssen noch viel lernen“, etc. Grund dafür ist ausgerechnet die völlig unberechtigte Rote Karte gegen Emre Mor im Hertha-Spiel.

Beim Betrachten der Fernsehbilder war diese Szene dem Gegenspieler selbst so peinlich, dass er sich für seine Schauspiel-Einlage entschuldigte und betonte, dies sei defintiiv keine roten Karte gewesen. Punkt. Aus. Eigentlich Thema beendet. Aber nicht für RN-Reporter Matthias Dersch und Co. Der haute über Twitter direkt nach Spielende erstmal einen raus:

„Dass bald mal vom Platz fliegen würde, hatte sich schon in den vergangenen Wochen angedeutet. Er muss noch viel lernen.“

Puh. Wirklich?! Wo hatte sich das jetzt angedeutet, dass Emre Mor durch eine Schwalbe des Gegners vom Platz fliegt? Wie kann sich so etwas überhaupt „andeuten“? Klar, was Matthias Dersch meint: Emre Mor ist halt so ein Typ, der sich nicht im Griff hat. Weil er viel meckert und sich schnell aufregt. Und noch mal: Wirklich?! Das ist doch nicht mehr und nicht weniger als ein Image, das man dem 19-jährigen (!) jetzt öffentlich anheftet. Und im Übrigen wird gleich im selben Atemzug erwähnt, dass dasselbe auch für Dembele gelte. Puh! Spätestens jetzt wird es gefährlich. Denn hier bedient man sich Klischees und Stereotypen vom „unzivilisierten“ Talenten. Das meint RN-Reporter Dersch nicht rassistisch, aber zum einen kippt es schnell in die Ecke – zum anderen ist es auch ohne Rassismus ein dummes Klischee, das beide Spieler beleidigt.

Denn über Twitter fanden sich gleich zahlreiche Anhänger dieser pauschalen Kritik an Mor und Dembele. Man war sich schnell einig, dass die „sich ein Beispiel an Pulisic und Passlack“ nehmen sollten. Wirklich?! Auch hier wird zwei jungen Spieler gleich mal ein Image verpasst, ob es ihnen passt oder nicht: die Musterschüler. Das ist ungefähr so sympathisch wie Klassenbester oder Lehrerliebling. Dann doch lieber „der hat sich nicht im Griff“. Denn das ist mir als Fan auch deutlich lieber: Spieler mit Emotion. Spieler, die ausrasten für ihre Mannschaft, ihren Verein und den Sieg. Diese Musterschüler-Problematik ist ja leider nicht neu. Es werden immer mehr glatte, regelkonforme, ja brave Profis gefordert. Und wer da nicht reinpasst (vgl. Großkreutz, Kevin) wird vom Hof gejagt. Ich glaube nicht an den Musterprofi ala Mats Hummels und Co. Ich will die Frank Mills und Marcio Amorosos sehen – ich will mich aufregen und ich will, dass sich die Spieler aufregen. Ich will keine gelackmeierte Fußballwelt voller Ja-und-Amen-Profis.

Und das Image, das nun (ausgerechnet von BVB-Anhängern und BVB-Reportern) Mor und Dembele angeheftet wird, das schadet am Ende nur dem BVB. Oder wird in Zukunft noch ein Schiedsrichter fair mit Mor oder Dembele umgehen?! Nein, die kriegen jetzt – vgl. Möller, Andreas – ein Image, durch das sie es bei Schiedsrichtern doppelt schwer haben.
Klassischer Bärendienst, den Dersch und Co. da dem BVB geleistet haben.

Lasst die Jungs so wie sie sind: Riesenfußballer mit ganz viel Gefühl – im Fuß und im Herz.

Fast noch mehr als die charakterliche Offenbarung des neuen Holger Badstubers a.k.a. Schickeria-Mats, hat mich die begleitende Berichterstattung bzw. Kommentierung durch die einheimische Sport-Presse, vor allem der Ruhr Nachrichten, erschüttert.

Vorab: Ruhr Nachrichten, Kicker & Co. sind allesamt mit sympathischen Schreiberlingen beim BVB vor Ort. Es lohnte sich stets, ihnen auf Twitter zu folgen.

Dass nun bei dieser Berichterstattung nicht immer die größte Distanz und Objektivität herrscht, ist zum einen verständlich und zum anderen als BVBler auch angenehm zu lesen. Schließlich gehen diese Reporter tagtäglich beim BVB ein und aus, die wöchentlichen PKs gleichen eher einem Vereinstreff mit belegten Brötchen. Man kennt sich … Doch das bedeutet auch: Wagt es da ein Journalist mal aus der Reihe zu schreiben, gibt es schnell auf die Ohren. Klopp hat das gern sehr öffentlich gemacht – bei Tuchel läuft das eher hinter den Kulissen. Aber natürlich will man da nicht als kritischer Betrachter gelten, dem zur Strafe Infos und Interviews von Vereinsseite verweigert werden. Dann lieber brav das schreiben, was die BVB-Presseabteilung vorgibt oder zumindest womit man sie mit Sicherheit nicht verärgert.

Und genau nach diesem Prinzip ist man auch im Fall Mats Hummels vorgegangen. Statt Verständnis für die Fans bzw. Unverständnis für den Bayern-Ersatzspieler in spe hagelte es nur so Verständnis und Pro-Hummels-Texte. Und zwar noch deutlicher als von Hans-Joachim-ScheissAufEchteFans-Watzke. Dann lieber wie Susi Zorc, so gut wie gar nichts dazu sagen. Watzkes dummes Hin-und-Her-Gerede war nicht zu ertragen. Und damit zurück zu den Ruhr Nachrichten und Co. Hier positionierte man sich klar, noch bevor es der Ehemann von Dumpfbacken-Cathy selbst tat: Volles Verständnis für Hummels, den tollen Kerl. Der ein oder andere Reporter der Ruhr Nachrichten hätte Hummels am liebsten persönlich nach München gebracht, um dann dort als sein Pressesprecher anzufangen. Es erschien, als sei Hummels für manchen Projektionsfläche der eigenen Wünsche: raus aus Dortmund, ab nach München, die vermeintlich schönere, schickere Welt. Da wurde so verständnisvoll mit der angeblichen Titelgarantie „argumentiert“, dass man meinen konnte, der ein oder andere Reporter wünsche sich diese auch für sich selbst.

Letztlich hat man natürlich weiterhin nur versucht, auf offizieller Vereinslinie zu bleiben. Bloß nicht noch den „Mob“ gegen Hummels weiter anstacheln. Die Empörung über die „schlimmen Schmähgesänge“ gegen Hummels war dann bei den Reportern auch noch mal größer als bei Watzke und Co. Nicht mal für die Pfiffe hatte man Verständnis. Während sogar der allseits diplomatische Tuchel vor dem Wolfsburg-Spiel darauf hinwies, dass sich „Mats das selbst eingebrockt“ habe, verurteilten die Reporter von RN, Kicker, Sky, DerWesten, die schlimmen BVB-Fans und feierten die tollen Reaktion von den Sitzplätzen.

Das war für mich das Zeichen: Ihr habt alle den BVB nicht verstanden.  Bzw. ist Euch Eure Nähe zu Spielern und Verein wichtiger, als die eigenen Leser. Wer es nicht schafft, die emotionalen Reaktionen der Fans (Nein, Mats: es waren nicht nur 300), richtig einzuordnen – der ist für mich eine Art Erdogan. Denn wie beim Böhmermann-Schmähgedicht, so darf man auch die „Hurensohn“-Rufe, etc., nicht aus dem Kontext lösen. Pfiffe und Schmähgesänge gegen Hummels gab es nicht TROTZ seiner ach-so-verdienstvollen-Zeit beim BVB – nein, gerade deswegen! Er kann sich eben nicht jahrelang so dahin stellen und den Kampf gegen das Böse anführen, um letztlich selbst dahin zu gehen. Oder wie es der gute Journalist Hans Leyendecker sagte: Sowas kann ein BVB-Kapitän nicht tun. Ein BVB-Kapitän geht nicht. Und schon gar nicht zum FC Arschloch. Nicht mal Christian Wörns oder Frank Mill haben das gemacht. Von einem Sebastian Kehl ganz zu schweigen.

Ganz viel von dem versteht man aber offenbar nicht, wenn man tagtäglich auf die Zuneigung von Watzke und Co. angewiesen ist. Mich als eigentlich zugeneigter Leser und Follower hat es sehr enttäuscht (falls das bislang nicht rüberkam…).

Die sehr gute Saison bleibt uns trotzdem. Auch wenn Hummels einen großen Teil kaputt gemacht. Auch dafür werde ich ihn für immer verachten. Für seine Scheinheiligkeit, seine fehlende Selbstkritik und diese Überheblichkeit eines Möchtegern-Abiturienten unter Hauptschülern. Und auch das gilt für den ein oder anderen BVB-Reporter oder Bloggerin: Überheblichkeit gegenüber vermeintlich weniger Schlauen wie Kevin Großkreutz ist nicht nur unsympathisch, sondern ein deutliches Zeichen eigener Schwäche.

Mir ist es scheißegal, wie gebildet ein Fußballer tut. Wobei es mir sympathischer ist, er sagt, was er denkt und spielt nicht den „denkenden Profi“ als Rolle, bevor er wie Hummels zum schlimmsten Zuhälter der Branche wechselt.

 

Zick. Zack. Bumm. So ungefähr sieht das „neue“ Spiel von Borussia Dortmund aus. Direktpassspiel, Schnelligkeit, Torgefahr. Und das alles angetrieben von einem starken Spielgestalter mit der Rückennummer 10. Klingt schon ein bisschen komisch und vor allem sehr neu. Aber spätestens wenn man sich bewusst macht, dass über dieser Rückennummer die Buchstabenkombination M-k-h-i-t-a-r-y-a-n steht, sollte man sich kneifen, aufwecken oder schlicht in eine vermeintliche Realität zurückholen lassen.

Henrykh Mkhitaryan? Diese traurige Unglücksgestalt, die der BVB vor 2 Jahren für unglaubliche und völlig ungerechtfertigte 27,5 Millionen Euro vom ostukrainischen Oligarchen-Club Schachtar Donezk auslöste?! Dieses personifizierte Unvermögen, der wie kein zweiter beispielhaft für den sportlichen Niedergang der Borussia in der Spielzeit 2014/2015 stand? Der Henrykh Mkhitaryan, der in den vergangenen Spielzeiten jeden Ball zwar elegant annahm, ihn aber sofort vertändelte oder ins Seitenaus verstolperte? Der Henrykh Mkhitaryan, der sein Talent vor allem dazu nutzte, bereits im Tor gefühlte Bälle doch noch zu verballern? Der Henrykh Mkhitaryan, dessen „Leistungen“ man derart verfluchte, dass man kurz vor einer Selbstanzeige bei Amnesty International stand? Der Henrykh Mkhitaryan, der so melancholisch über den Platz strich, dass man sich zumindest sicher war, dass seine Selbsteinschätzung relativ realistisch sein musste? Dieser Henrykh Mkhitaryan?!

Also, raus mit der Sprache, BVB: Wo ist Henrykh Mkhitaryan? Was habt Ihr mit dem gemacht? Oder wer war der Typ, der 2 Jahre lang sein Trikot getragen hat? Und warum musste das sein?! War das alles ein abgesprochenes Spiel zwischen Tuchel und Henrykh Mkhitaryan? „Lass zwei Jahre deinen talentfreien Doppelgänger spielen und dann muss Klopp gehen…“?

Ich habe Angst. Angst, dass man spätestens in zwei Jahren den echten (oder eben den Doppelgänger) Henrykh Mkhitaryan mit Betonfüßen aus dem Phoenix-See zieht (Danke für diese Analyse, Dr. Kai). Und dann kommt die Dortmunder Kripo auf meinen Blog, findet erst diesen Artikel und dann meine nicht ganz unkritischen Anmerkungen zu Henrykh Mkhitaryan (oder seinem Doppelgänger) aus der vergangenen Spielzeit.

Na, toll.

Der tuchelige Schein trügt. Nein, bei Borussia Dortmund ist zu Beginn der Saison 15/16 nicht alles in Ordnung. Großkreutz, Weidenfeller, Kuba sind das eine. Watzkes fetter Ausrutscher bzgl Klopp und Bayern das andere. Letzteres ist sicher an Dämlichkeit und vorallem fehlender Sensibilität den eigenen Fans gegenüber nicht zu überbieten.

Klopp passe 100 Prozent zu Bayern. Watzke gibt ihm seinen Segen. Halleluja! Am Arsch. Am besten gehst du gleich mit, Hans-Joachim. Denn für deinen aktuellen Job fehlt dir ganz offensichtlich das menschliche Feingefühl.

Und wer jetzt was von Taktik und psychologischer Kriegsführung faselt, der stellt sich bzw Watzke erst recht auf eine Stufe mit Kalle R aus Lippstadt.

Ekelhaft.

Jürgen Klopp lehnte völlig zurecht Mario Mandzukic aufgrund starker charakterlicher Defizite ab. Solche Leute dürfen nicht in schwarzgelb auflaufen, egal, ob sie 15, 20 oder 30 Tore pro Saison machen. Und genau so muss es auch mit den anderen Ex-Bayern-Söldnern sein. Ob sie nun Shaqiri, Luiz Gustavo oder Anatoli Timoschtschuk heißenDas ist nicht Borussia Dortmund.

Ich kann mich nur an eine Zeit erinnern, als der BVB aus Verzweiflung seelenlose Söldner verpflichtete: da hatten wir dann alle viel Spaß mit Barbarez, Salou, Icke Häßler und Co. Seit Jahren (seit ca. 7 Jahren) tut der BVB wirklich sehr gut daran, bei seinen Transfers genau darauf zu achten: keine abgenutzten Ex-Stars, keine vermeintlich große Namen – viel mehr tatsächliche Talente mit unaussprechlichen Namen. Zumindest im Fall Aubameyang ist das ja auch gut gegangen.

Und SPORTLICH macht die Shaqiri-Debatte sowieso keinen Sinn. Warum sollten wir einen holen, der es weder bei Bayern noch bei Inter geschafft hat?! Was wollen wir mit Shaqiri? Spieler, die sich überambitioniert festdribbeln, haben wir schon genug. Wir brauchen sowohl Kuba als auch Kevin. Sportlich wie charakterlich.

Mal ehrlich, liebe Erfolgsfans: Wenn es Euch nur darum geht, dass der BVB – egal wie – wieder an Volkswagen vorbeikommt und dann halt 10 statt 20 Punkte hinter Bayern steht – dann geht doch lieber gleich zu Bayern. Bei Borussia Dortmund geht’s um was anderes.

Denn das ganze Ding ist halt emotional. Davon lebt das hier. Einen BVB ohne Emotion, ohne Tradition – will ich mir gar nicht vorstellen.

Als Fußball-Romantiker habe ich mich schon vor längerer Zeit geoutet. Doch darin liegt nicht die Begründung für meinen Zorn in der Causa Großkreutz.

Ich empfinde den BVB, einige seiner Fans und vorallem seine neue Führung in dieser Sache als extrem unsympathisch.

Wenn die Bayern-Zuschauer einem alternden und längst nur noch stark aus der Puste kommend mitlaufendem Schweinsteiger hinterher trauern – dann hat das rein nostalgische und vielleicht auch fußball-romantisch angehauchte Gründe.

Dass Kevin Großkreutz mit dem BVB deutlich stärker verwachsen ist, als ein Schweinsteiger oder Neandertaler Müller mit den Bayern – ist auch klar: der eine stand mit Dauerkarte auf der Süd – der andere lag mit der eigenen Cousine im vereinseigenen Entmüdungsbecken.

Ja, Kevin Großkreutz hat in eine Hotel-Lobby uriniert. Ja, Kevin Großkreutz ist nicht so dermaßen schlau wie Musterschüler Mats Hummels, der sich vermutlich deshalb die Akademikerin Cathy zur Frau genommen hat.

Kevin Großkreutz hat aber vor allem eins nicht: sich sportlich irgendwas vorzuwerfen! Da wurde einer zum Sündenbock für die Horrorsaison gemacht, der kaum gespielt hat, weil er ewig verletzt war. Und ja: die paar Spiele, die er gemacht hat, waren sicher nicht gut. Aber wenn das der Maßstab ist, wäre ja wohl kaum jemand aus der Mannschaft übrig.

Und da muss ich nicht mal die schlimmsten sportlichen Ausfälle der Saison 14/15 nennen (28,5-Millionen-Talent oder Neven Subotic) – nein, auch Hummels, Reus oder Kagawa haben mehr als ein Spiel so schlecht gespielt, dass man sie spontan verhauen wollte.

Doch ein Kevin Großkreutz ist natürlich ein dankbares Opfer in dieser Welt der Musterschüler im so schlauen und modernen Tuchel-Land. Da hat man lieber einen streberhaften Jonas Hofmann oder den melancholisch nachdenklichen Armenier.

Kevin Großkreutz verbindet mit dem BVB deutlich mehr als die Musterschüler aus der Reihe Hofmann und Co. Nämlich nicht nur seine Dauerkarte und die Liebe zum Verein. Kevin kam aus Ahlen, für deutlich weniger als 28,5 Millionen Euro. Er hat sich ins Team gekämpft, hat wesentlich zu zwei Meisterschaften, Pokalsieg und CL-Finale beigetragen. Wieviel Titel haben Mkhitaryan und Reus eigentlich mit dem BVB geholt?

Großkreutz ist Bauernopfer einer pseudo-intellektuellen Sportelite. Mir ist es sympathischer, einer uriniert nach einer Final-Niederlage in die Hotel-Lobby – weil er so frustriert ist, als die scheinheiligen Ausführungen von Gündogan, Hummels und Co, die ja alle wegen des hochmodernen neuen Trainers ihre Zuneigung zum Verein wiederentdeckten.

Der BVB verliert einen ungewöhnlich variablen Top-Spieler, der auch noch mehr Leidenschaft mitbringt als der gesamte Rest zusammen.